48 Mieter, 48 Geschichten
und 3400 Jahre Lebenserfahrung 

Am frühen Vormittag des 7. Juli 2020 ist in der Chemnitzer Straße 2 außergewöhnlich viel Begängnis. Zur Freude der Bewohner liegt es dieses Mal jedoch nicht an der noch andauernden Baumaßnahme, sondern an einem angekündigten Überraschungsbesuch. Drei WGR-Mitarbeiterinnen sind mit 48 großen Präsentkörben im Gepäck angereist. Darunter Hausverwalterin Steffi Roscher und Seniorenbeauftragte Szilvia Talos. Im Namen der Wohnungsgesellschaft möchten sie sich bei den Mieterinnen und Mietern des betreuten Wohnens für deren Beharrlichkeit und Geduld während der seit 2019 andauernden Objektsanierung ganz aufrichtig bedanken.

Die 92-jährige Irmgard Schälzky ist an diesem Dienstagmorgen die erste Mieterin, die von Steffi Roscher überrascht wird. Sichtlich erfreut nimmt sie die netten Worte ihrer Hausverwalterin und den schweren Präsentkorb mit der großen blauen Schleife entgegen. Unter der Verpackung verbergen sich ein paar Riesaer Schokoladengrüße, frischer Kaffee aus Großenhain, Traubensaft von der Winzergenossenschaft und mit der Sonderausgabe der RIESAER Heimatblätter interessante Lektüre zur regionalen Geschichte.

Den meisten Mieterinnen und Mietern des Objektes dürfte die Riesaer Historie vermutlich auch ohne Geschichtsbuch mehr als vertraut sein. Viele von ihnen haben beispielsweise den Wohnungsbau in Weida noch aktiv miterlebt, so wie auch Irmgard Schälzky, die eigentlich aus Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) stammt und aufgrund des besseren Wohnungsangebotes in den 50er Jahren mit ihrem Mann nach Riesa in das Neubaugebiet am Rande der Stadt gezogen ist. Beide waren im Gesundheitswesen tätig und haben auch beruflich hier einen Neuanfang erlebt. Seitdem wohnte die Familie in verschiedenen Wohnungen im Wohngebiet Weida. Nach dem Tod ihres Mannes hat sich die flotte Seniorin bewusst für den Umzug in das altersgerechte Wohnen in der Chemnitzer Straße entschieden und den Entschluss nicht bereut.

Seniorenbeauftragte stellt sich vor

190426-portraets-2000-72-15_20200714-115935.jpgSo wie Irmgard Schälzky hat jeder der 48 Mieter seine eigene interessante, manchmal auch sehr berührende Lebensgeschichte. Ganz bewusst haben die WGR-Mitarbeiterinnen deshalb ausreichend Zeit mitgebracht, denn der Mitteilungsbedarf ist gerade bei den Senioren ohne direkten Familienanschluss groß. Szilvia Talos nutzt gleich die Gelegenheit, sich bei den Mieterinnen und Mietern als neue WGR-Seniorenbeauftragte persönlich vorzustellen. Schon in den ersten Gesprächen bemerkt die WGR-Mitarbeiterin, dass viele Bewohner sich wieder ein bisschen mehr Gemeinschaftsleben wünschen. Mit dem umfangreichen Umbau des Betreuungsbereiches und parallel dazu der Ausbreitung von Covid-19, konnten seit langer Zeit keine Spielenachmittage oder ähnliche Aktivitäten stattfinden. In dieser Hinsicht können Szilvia Talos und Steffi Roscher gute Nachrichten mitbringen. Der Betreuungsbereich ist bereits an das Pflege- und Betreuungszentrum Riesa übergeben worden. Aktuell werden die Gemeinschaftsräume noch mit Möbeln versehen, wird die Küche entsprechend ausgestattet und alles so hergerichtet, dass die Bewohner zeitnah wieder in einem modernen Wohlfühl-Ambiente zusammenkommen können. Das Team um Heike Eulenfeldt (Leiterin des Pflege- und Betreuungszentrums) freut sich schon darauf, die neuen Räume endlich mit Leben zu füllen, die Bestandsmieter wie gewohnt zu versorgen und sich gleichzeitig darum zu kümmern, dass auch die neuen Mieter schnell Anschluss finden.